Der Töpfchen-Druck

Sobald die Kinder das erste Lebensjahr erreicht haben setzt die Gesellschaft voraus, dass diese auch Windelfreiheit erreichen. Alles schön und gut, das ein oder andere „Wunderkind“ wurde vielleicht schon ganz neumodern windellos erzogen. Wenn die Mama sonst nichts zu tun hat, kann sie ja auch gerne 24/7 darauf achten, ob das Baby irgendwelche Zuckungen als Anzeichen eines bevorstehenden Toilettenganges macht.  Für mich als Zweifachmama, Bloggerin und Studentin undenkbar. Wie schon in einem Artikel erwähnt ist mir Toleranz jedoch sehr wichtig – deshalb möchte ich auch „Windelfrei-Mamas“ nicht verurteilen. Schließlich muss jede Mama selbst entscheiden was für sie und ihr Kind am besten ist.

Zurück zum Thema: Nach dem ersten Geburtstag werden Mamas immer wieder gefragt ob das Kind denn noch Windeln trägt. Am liebsten würde ich dann zurückwerfen: „Erzählst du mir auch etwas über deine Vorlieben beim Toilettengang?“.

Auf der einen Seite ist Kacken ein absolutes Tabuthema. (Wer macht das schon? – Also ich nicht! Im Einzelfall werden mal Regenbogenglitzerwolken gepupst aber Kacken – neeee!) Auf der anderen Seite möchten die Leute immer Details über die Ausscheidungen unserer Kinder wissen.

Wir haben uns dann tatsächlich dazu entschlossen nichts zum Thema Windelfrei zu sagen. Schließlich möchte ich auch nicht, dass Freunde im Internet nachlesen können wann ich aufgehört habe in die Windel zu machen. Das ist aber ein anderes Thema.

Ich möchte mit dem Post nur allen Mamas versuchen den Druck zu nehmen. Jedes Kind entwickelt sich anders und meiner Meinung nach sollte kein Stress bei diesem Thema gemacht werden. Mit einem Jahr haben die Kinder mit Sicherheit andere Sorgen als aufs Töpfchen zu gehen…

Bis zum dritten Lebensjahr ist das Tragen einer Windel absolut normal und kein Grund Druck zu machen. Eine liebe Freundin hat ein sehr informatives Video zu dem Thema gemacht: Schaut mal rein!

Trocken werden kann tatsächlich nicht erlernt werden, sondern hat etwas mit Reifungsprozessen im Gehirn zu tun. Es ist ein Schritt in der Entwicklung des Kindes, den man nicht beeinflussen kann. Töpfchentraining ist demzufolge unnötig und macht nur Stress.

Wir haben (zugegebenermaßen durch Gesellschaftsdruck viel zu früh) ein Töpfchen und auch einen Toilettensitz besorgt und im WC deponiert. Auch die passende Lektüre zum Thema Trocken werden wurde vorgelesen. Als Elternteil kann man dem Kind alles gut erklären und ich finde es auch wichtig das Kind alles ausprobieren zu lassen. Wenn es sich aufs Töpfchen setzen möchte, dann soll es dies sehr gerne machen. Wichtig ist es meiner Meinung nach aber, dass das Kind das Tempo vorgibt. Uns war es von Anfang an immer wichtig die Kinder als vollwertigen Menschen zu betrachten. Das setzt auch Voraus, dass er über seinen Körper selbst entscheiden kann – sofern es nicht die Gesundheit gefährdet oder anderweitig schlecht für die Entwicklung ist. (Barfuß im Schnee laufen lassen würde ich meine Kinder nicht, auch wenn sie mir 100 Mal versichern, dass ihnen nicht kalt ist.) Es wurde von uns immer wieder gefragt ob „Pipi“ oder „Kacka“ gemacht werden muss und ob er aufs Töpfchen gehen WILL. Ganz entspannt und ohne Druck. So hat es dann auch am besten funktioniert.

Zurück zu meinem Mantra – Toleranz – wenn für Euch Töpfchentraining gut funktioniert ist das super! Es sollte aber ohne Erwartungen und ohne Druck erfolgen…

Eltern sollten sich nur nicht verunsichern lassen, wenn sie und vor allem ihr Kind kein Interesse am Töpfchen zeigt. Das kommt dann ganz von alleine wie alle anderen Entwicklungsschritte auch. Oder habt ihr mit eurem Baby das Drehen, Lachen und Greifen geübt? Man kann die Kinder auf jeden Fall fördern, ihnen alles genauestens erklären und Hilfsmittel wie Bücher mit auf den Weg geben. Aufs Töpfchen und die Toilette gehen – das ist eine Entwicklung die unsere Wissbegierigen Kinder wenn sie reif genug sind von sich aus toll finden!

Am Ende des Artikels hoffe ich ihr wisst was ich Euch damit sagen wollte und schicke Euch liebe Grüße!

Anna

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6 Kommentare

  1. Sehr gut geschrieben!! Kennt man ein Kind das heute mit 28 zb noch aufs Töpfchen geht. Irgendwann gehen alle auf die Toilette.
    Verallem finde ich es schrecklich, dass die Kinder die auf den Topf gehen ja viel besser und schlauer sind.
    Wir machen es genau wie ihr , ohne Druck. Mein Sohn – 2 Jahre- setzt sich spielerisch drauf aber das wars auch schon.
    Es kommt alles von alleine, wie du schon sagst.

    Lg
    Naschid

  2. Liebe Anna,

    ich sehe das ganz genau so und bin absolut deiner Meinung. Bei uns (mein Sohn ist 20 Monate alt) wird dieses Thema auch sehr oft angesprochen, da sein Cousin (2 Monate jünger als mein Sohn) windelfrei erzogen wird. Es nervt mich immer sehr mein Kind rechtfertigen zu müssen, weil es ja überhaupt keinen Grund dafür gibt.
    Daher freu ich mich umso mehr, diesen Beitrag von dir zu lesen. 🙂

    Liebe Grüße,
    Sandra

  3. Du sprichst mir aus der Seele. !
    Ich sehe es genauso wie du und so handhabe ich es auch. Wir machen uns kein Stress.
    Entweder geht er aufs Töpfchen oder halt nicht. Früher oder später geht er sowieso aufn Pott.

    Toller Beitrag! 🙂

  4. Was ich gut finde ist wenn man den Kindern mal z.b. Im Sommer im Garten die Windel auszieht. So lernen die Kinder das Gefühl kennen wenn „es“ losgeht und was da dann passiert. Wenn immer die Windel dran ist sehen sie das ja nie. So entwickeln sie ein wichtiges körpergefühl. Mein kleiner ist so trocken geworden. Er hat gemerkt das er pinkeln muß, und hat mich dann gerufen das er auf die Toilette muß. Alles ohne Druck. Aber jedes Kind hat seine eigene Geschwindigkeit was das sauberwerden betrifft. Meiner Meinung ist das Wort Töpfchentraining auch fehl am Platz, sauber werden soll ja nicht wie das Training für die olympischen Spiele angegangen werden.

    Alles liebe und viel Erfolg an alle 😉

  5. Liebe Anna,
    vielen Dank für den schönen Bericht. Wir wollen es auch langsam und ohne Druck angehen. Wenn die Kinder so weit sind, merkt man das schon.
    Dir weiterhin viel Erfolg und liebe Grüße
    Niels

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