Studieren mit Kind

Wie die meisten von Euch wissen, bin ich keine Vollzeit-Mama. Nebenbei mache ich gerade meinen Masterabschluss im Bereich Wirtschaft. Studieren mit Kind hört sich immer so nett an. Eine kleine Geschichte dazu wird euch zeigen, dass es wohl doch einfacher ist erst nach dem Studium Kinder zu bekommen.

Ein Mittwoch im Januar. Auf der heutigen To-Do Liste steht neben dem Kinder versorgen auch eine Vorlesung. Da es sich um die letzte vor der bevorstehenden Klausur handelt ist Mamas Motivation besonders hoch möglichst viel Input zu bekommen.

Sobald man als Mama die Augen morgens aufmacht ist es vorbei mit der Ruhe. Die Kinder wollen versorgt und bespaßt werden. Somit wäre eine Vorlesung ja auch eine willkommene Abwechslung. Der Tag läuft wie die meisten Tage ab: Aufstehen, wickeln, Kinder füttern, waschen, wickeln, spielen, Haushalt, kochen, Kinder füttern, raus gehen, wickeln, kochen, Kinder füttern… Mit dem Unterschied, dass abends eben auch noch Uni am Programm steht. Da Baby Ben noch an Mamas Brust hängt sind wir quasi unzertrennlich und er darf sich jüngster Masterstudent „schimpfen“. Der Große wird mit Autos und Dinosauriern kurz im Kinderzimmer abgeladen, der Kleine in der Wippe vor der Dusche und innerhalb von 10 Minuten ist Mama auch geduscht, angezogen und halbwegs passabel hergerichtet. Abendessen ist vorgekocht und es wird sehnsüchtig auf den Papa gewartet, der schnell nach Hause eilt, damit die Mama losdüsen kann. Hier muss erwähnt werden, dass ich mich wirklich glücklich schätze einen Partner zu haben, der mich während des Studiums unterstützt und die Kinderbetreuung von Kai übernimmt.

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Wickeltasche und Baby samt Maxi Cosi werden gepackt und ins Auto geladen. Im Idealfall befinden sich ein Snack, etwas zu Trinken sowie die relevanten Unterlagen neben Windeln und Feuchttüchern in der Tasche. Bei der Uni angekommen wird zuerst der Kinderwagen ausgeladen, aufgeklappt, die Wickeltasche darauf gehängt, das Baby rein gepackt und in den richtigen Vortragssaal gehetzt. Dort angekommen werden Wasser, Unterlagen und Stifte ausgepackt. Bereits nach diesem Vorgang fängt Ben an zu jammern und will getragen werden. Die Vorlesung beginnt pünktlich. Ich sitze mit Baby im Arm in der letzten Reihe.  Der Vortrag beginnt und schon wird Ben unruhig. Es muss wohl Hunger sein. Ein kurzer Blick auf die Uhr sagt mir, dass die letzte Mahlzeit bereits 2 Stunden her ist. In der Hoffnung, dass er nicht laut zu brüllen beginnt versuche ich möglichst diskret meinen Busen freizulegen und ihn zu stillen. Währenddessen wird fleissig mitgeschrieben. Am besagten Mittwoch schläft mein Baby an der Brust ein. Da ich mitten in einem Saal voller Menschen sitze packe ich die Brust wieder möglichst diskret ein. Mein Fehler! Ben äußert seinen Unmut darüber sofort lautstark. Mama steht also auf und läuft mit Baby über der Schulter (und wieder bedecktem Busen) im Vortragssaal unter verdutzten Blicken von Vortragenden und Studierenden von links nach rechts. Es muss wohl Bauchweh sein! Klarerweise werde ich leicht nervös und die Situation ist mir merklich unangenehm. Leider wirkt sich dies nicht gerade positiv auf Ben aus und ich entschließe mich den Saal zu verlassen. 30 Minuten Vorlesung haben wir zumindest genossen. Draussen angekommen noch mehr verdutzte Blicke von anderen Studierenden. Nach dem Motto: „Warum hat die denn ein Baby mit?“ Ich spüre richtig, wie sie über mich sprechen. Es kommt nämlich leider nicht so häufig vor, dass Mamas mit Babys vor Ort sind. Nach 20 Minuten und einem erneuten Stillvorgang traue ich mich mit schlafendem Baby wieder in den Vortragssaal. Soweit – so gut. Ein Problem wäre noch, dass ich Ben im Arm halten muss damit er nicht aufwacht und die Stühle nicht gerade bequem sind. Ziemlich verkrampft sitzend versuche ich noch möglichst gut aufzupassen und alles wichtige zu notieren. Das geht dann auch 1,5 Stunden gut. Ben hat wohl etwas geträumt und sich kurz geräuspert (im leisen Saal). Alle Blicke sind auf mich gerichtet. Ich versuche es wegzulächeln. 30 Minuten danach kommt schon wieder der nächste Anfall von Hunger. Die Brust wird wieder möglichst diskret ausgepackt und mit lautem Schmatzen trinkt der kleine Mann genüsslich. Mama schon etwas erschöpft von der Doppelbelastung hofft auf ein schnelles Ende der Vorlesung…

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So läuft nämlich Studieren mit Kind ab. Bei mir zumindest. Es kann einfach nicht geplant werden wann das Kind Hunger, Bauchweh oder sonstige Bedürfnisse hat. In einer Hand das Kind, in der anderen den Stift zum mitschreiben, halb-konzentriert, den Worten der Vortragenden lauschend und hoffend, dass das Kind sich ruhig verhält.

Ich bin dankbar dafür, dass Ben ein wirklich unkompliziertes Baby ist und selten schreit, dass meine Kommilitonen Verständnis haben und uns mit einem warmen Lächeln empfangen, dass Vortragende kein Problem damit haben, wenn ein kleiner Zuhörer mitkommt, dass ich einen Partner habe der mich unterstützt und dass ich die Möglichkeit habe auch mit Kindern meine Ausbildung abzuschliessen.

Einfach? Einfach ist es auf keinen Fall und ich würde es auch keinem empfehlen. Ich denke, man muss wirklich stressresistent sein und auch ein gewisses Selbstbewusstsein haben, sowie einen starken Willen. Denn ich glaube fest daran: Wo ein Wille, da auch ein Weg!

Allen Studentinnen die vielleicht bald Mama werden oder Mama sind, kann ich nur raten es einfach zu probieren. Lasst Euch nicht unterkriegen! Es ist Euer Recht Vorlesungen beizuwohnen und es ist auch Euer Recht Euer Baby mitzunehmen. Versucht nur Euch nicht zu stressen, geht es ruhig an und genießt die Zeit mit dem Nachwuchs. Studieren kann man danach auch noch, wobei ich aus eigener Erfahrung sagen kann – es ist leichter, solange die Kleinen noch nicht laufen können… 😉

Alle Liebe,

Anna

 

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2 Kommentare

  1. Hallo Anna,
    ich verfolge Deine Vlogs schon sehr lange, hab Dir damals sogar mal ein Bild gemailt von Daniel und mir…also ich bewundere wirklich, wie Du das alles schaffst. Dani wird 2 im März und ist mit so viel Temperament gesegnet, dass ich oft nicht weiß, wie ich den Haushalt schaffe…da Du zudem ja auch noch studierst, kann ich nur sagen: Hut ab! Ich fand die Zeit früher, als ich 8 Stunden ohne ein Kind zu haben, noch im Büro saß, hatte ich deutlich weniger Stress…ich saß eben nur…und nun…Action! :). Drück Dich mal lieb! Biggi

  2. Du hast wirklich eine sehr schönen Blog und vor allem dieser Artikel ist so authentisch und liebevoll verfasst. Jener gibt sicher vielen jungen Müttern da draußen Mut sich weiter fortzubilden und wie du sagst „es einfach zu versuchen“! Alles Liebe 🙂

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